Änderung der Zigarillo-Definition
MAINZ (DTZ/fok). Zum 1. Januar 2008 trat eine Änderung des Tabaksteuergesetzes in Kraft, die die Zigarren-/Zigarillo-Definition neu fasst und damit Vorgaben der EU-Richtlinie 2002/10/EG in deutsches Recht umsetzt. Einige der Änderungen betrafen den § 2 Absatz 1 Nr. 3, wonach Cigarillos jetzt ein Mindestgewicht von 1,2 Gramm besitzen müssen. Die Einlage, hier neu definiert als entrippter Mischtabak (ohne Schnittbreitenrestriktionen), sowie gegebenenfalls der Filter, nicht jedoch das Mundstück, müssen danach durch das äußere Deck- und Umblatt aus rekonstituiertem Tabak vollständig umhüllt sein. Diese Änderung trifft ganz klar den Bereich niedrigpreisiger Eco-Cigarillos, die in den letzten Jahren nicht unerhebliche Marktbedeutung gewonnen haben.
Geschichte einer EU-Richtlinien-Änderung
Ein kurzer Blick zurück in die Geschichte dieser Änderung: Ende der 90er Jahre hatte die damals noch bestehende Reemtsma-Tochter BTM das Filterzigarillo Coburn entwickelt und damit in Frankreich einen erstaunlichen Starterfolg. Das wiederum irritierte das damals noch existierende französische Monopolunternehmen Seita, das zugleich ein preiswertes Filterzigarillo auf den Markt brachte, das mit 1,2 Gramm deutlich schwerer als die Coburn, und komplett mit Tabakfolie überrollt war. Prompt der französische Gesetzgeber das Angebot seines Staatsunternehmens, indem er für Cigarillos ein Mindestgewicht von 1,2 Gramm verschrieb. Im Jahre 2002 wurde diese Vorgabe auch auf europäischer Ebene durch eine EU-Richtlinie zur Maßgabe, wobei die Sorge vor möglichen Steuereinbußen durch den Wechsel von der hochbesteuerten Zigarette zum Niedrigpreiscigarillo entscheidenden Anteil gehabt haben dürfte. […]
Basic vor JPS und Pall Mall
Im vergangenen Jahr war Basic von Philip Morris klarer Marktführer beim Absatz von Eco-Filterzigarillos. Laut USP PurchasePanel Tabakfachgeschäfte hatte die Marke in dieser Vertriebsschiene einen Marktanteil von 30,5 Prozent, gefolgt von JPS (Reemtsma) mit 13,7 Prozent, Pall Mall (BAT) mit 9,8 Prozent, Next (Philip Morris) mit 9,5 Prozent und Westpoint (BAT) mit 7,6 Prozent. Weitere absatzstarke Marken sind Route 66, f6, Braniff, Winfield, L&M, Matrix und Silverado.
Neudefinition macht Produktion aufwändiger
Durch die veränderte Definition sind für die Marktteilnehmer einige Erschwernisse zu erwarten: Zum einen ist die Produktion der Eco-Cigarillos nach neuer Definition erheblich aufwändiger. Die Fertigungsanlagen mussten umgebaut werden und der Materialeinsatz speziell beim Tabak steigt deutlich an. Zum anderen verändern sich durch die neuen Vorgaben zwangsläufig bestimmte Parameter, wie Optik, Zugwiderstand und Geschmack der Produkte. Die im Regelfall mit American-Blend-Einlage produzierten „Ecos“ entfernen sich daher erheblich von ihrer „weißen Schwester“ Zigarette. […]
Technische Lösungen: Longsize und Kingsize
Bei der Umstellung auf die neue Definition wurden von den Herstellern grundsätzlich zwei Wege beschritten: Longsize-Versionen, bei denen das erhöhte Tabakgewicht in form eines 100mm verlängerten Formats zum Ausdruck kommt. Dies ist bei der BAT-Marke Pall Mall XL Filter Cigarillos und bei den beiden Continental Tobacco-Marken Matrix 100´s und Silverado der Fall. Bei allen anderen Marken wurden Kingsize-Lösungen umgesetzt, kurze Filter und teils etwas größere Durchmesser sorgen für die Einhaltung der Gewichtsvorgabe. Allerdings ist bei beiden Lösungsansätzen Long- und Kingsize das Rauchverhalten und der Geschmack deutlich von dem der Produkte nach Altdefinition abweichend. […]
Quelle: DTZ Die Tabakzeitung, Nr, 8, 22.Februar 2008
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